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OBSCUREWELTEN

OBSCUREWELTEN

arbeitet mit der Urform der Fotografie und beschäftigt sich mit experimentellen Lichtbildprozessen. Im Mittelpunkt steht die Idee, Eindrücke fotochemisch auf Negativmaterial festzuhalten, durch Belichtung einen ungewohnten Blick zu öffnen und den gefundenen Motiven neue Bedeutung zu verleihen. Auf Fototouren belichten die Künstler mit selbstkonstruierten Kameras lichtempfindliches Bildmaterial auf sehr elementare Art. Die unverwechselbare und unkonventionelle Abbildungscharakteristik entsteht jedoch nicht nur durch den Aufnahmestil mit verschiedenen Lochkameras, sondern auch durch den Prozess der Bildentwicklung im Fotolabor.

Rupert Kraft, Absolvent der Hochschule für bildende Künste Hamburg, begann im Rahmen seines Studiums in einer künstlerischen Forschungsgruppe aus runden Keksdosen Obscura-Kameras zu bauen und die damit entstandenen Aufnahmen mit angepassten Prozessen im Fotolabor weiterzuentwickeln.

Die Grundidee für die Arbeit mit einfachen Materialien zum Erschaffen von anachronistisch wirkenden, rustikalen Fotografien in einer elektronisch geprägten Welt, waren die theoretischen Auseinandersetzungen zum Thema Ort. Lochkamerabilder dieser Art eröffnen einen Diskurs über die Wandelbarkeit, Aneignung und unstetige Erscheinungsform von Orten. Die künstlerischen Experimente beziehen sich auf die fotografische Wahrnehmung jenseits von standarisierten Oberflächlichkeiten und setzen sich mit Überlegungen der Heterotopie von Michel Foucault oder dem Ort und Nicht-Ort bei Marc Augé auseinander. 

Von 2006 bis 2008 wurden in Ausstellungen Lochkamerabilder der Öffentlichkeit präsentiert wie in:

Orte und Nichtorte; Obscura und Wundertrommel“, „Obscua – Die Hafencity fotografiert mit Keksdosen“, „Wilhelmsburg obscur“ oder „Lädenleuchten“. 

Durch die Einladung und den Besuch der Ausstellung der Forschungsgruppe im November 2007 „Wilhelmsburg obscur“ war der Kameramann Wanja Hohmeier begeistert und nahm draufhin eine Keksdosen-Kamera von Rupert Kraft mit, um in Dortmund auf der Hohensyburg sein erstes Obscura-Bild zu machen. Die Tatsache,  dass er nur eine Kamera und ein zu belichtendes Negativ dabei hatte und nicht seine gewohnte Arbeitsweise möglich war, lies ihn in den Ort eintauchen.

Zurück in Hamburg 2008 auf einer gemeinsamen Fototour mit Rupert Kraft war es genau dieses Eintauchen, gewohnte Orte neu zu entdecken, die Wanja Hohmeier auf die Idee brachte, den Namen OBSCUREWELTEN zu erschaffen. Fortan wurde mit dem Kollektiv unter dem Namen OBSCUREWELTEN die Ausgangsidee dieses einzigartigen, brüchigen Abbildes weiter entwickelt, in der genau in den Brüchen, Schlieren und Abstraktionen der Welten, die den Betrachter umgeben, ein neuer Sinn generiert und gefunden werden kann, wo das Schemenhafte und Nebulöse auf das Urtümliche der Wahrnehmung verweist und damit spielt. 

Gemeinsam haben sie mit zu Kameras umgebauten Blechdosen fotografiert, die über die Benden 65, 100 und 210 verfügen und mit Schnellspann-Gummigurten an kleinen Stativen befestigt wurden. Ein gemeinsames Anliegen war es, die Technik der ursprünglichen Fotografie an Interessierte weiterzugeben. Neben Workshops wurden zwischen 2008 und 2012 auch kleine Ausstellungen realisiert, um ihre Lochkamerafotografien einem Interessierten Publikum sichtbar zu machen und näher zu bringen.

An frühere Schulprojekte erinnert und erneut begeistert durch die einfache, linsenlose Technik der zu Camera Obscura umgebauten Blechdosen konnte die Fotodesignerin Franka Schimankowitz für OBSCUREWELTEN gewonnen werden. Hatte sie auf den ersten gemeinsamen Fototouren durch Hamburg noch hauptsächlich mit Ihrer Digitalkamera dokumentiert (im manuellen Modus;) waren es bald auch die Lochkameras von Obscurewelten. Seit 2014 ist sie Teil von OBSCUREWELTEN und hat diese maßgeblich weiter mit ausgebaut.

Zusammen mit Wanja Hohmeier wurden Projektideen weiterentwickelt und die Kamerakonstruktion überarbeitet. Um bessere Stabilität zu erzielen, ersetzten beispielsweise feste Klemmen die Gummibefestigungen für mehr Standfestigkeit bei Windböen, es wurden Bodenplatten mit Gewinde an die Kameras angebracht und metallische Blendenöffnungen samt Verschluss der Blende optimiert. OBSCUREWELTEN konnte im weiteren Verlauf Dunkelkammer-Equipment einer Hamburger Schule sowie einer Jugendherberge in Mölln übernehmen.

Im Jahr 2015 wurde ein erster Bildband veröffentlicht mit thematisch strukturierten Obscura-Aufnahmen zum Thema Musik. Im selben Jahr nahm OBSCUREWELTEN als Sonderteilnehmer außer Konkurrenz am Hamburger Fotomarathon teil. Auch die seit mehreren Jahren bestehende Website wurde 2015 neu konzipiert.

Um ein größeres Sichtfeld abzudecken, wurde nach vielen Überlegungen, 360°-Camera-Obscura-Bilder zu realisieren, die erste Panorama-Lochkamera aus Holz konstruiert.

Für das aufwändige Projekt ‚Blende 100‘ initiierte OBSCUREWELTEN 2016 eine große Fototour durch Nord- und Mitteldeutschland. Namensgebend für dieses kuppeltaugliche Bewegtbildexperiment war die speziell für dieses Projekt gebaute 360°-Lochkamera, die mit einer Blendenöffnung von 100 versehen war. Erste Eindrücke dieses Panoramabild-Projekts, speziell ein musikalisch begleiteter Ausschnitt aus dem Zusammenspiel der Camera-Obscura-Fotografie mit den Produktionsmethoden der heutigen, modernen Planetariumstechnik wurde in Rahmen des Fulldome-Festivals Jena vorgestellt.

Seit 2017 wird jährlich ein Kalender veröffentlicht, der die Idee der Bildbände, nach einem Schwerpunktthema gewählte Lichtbilder aus unterschiedlichen Schaffensphase zusammenzuführen, aufgreift. Nachdem 2018, 2019 und 2020 mit aus 6-12 Negativen zu einem little planet geformte Abbildungen dargestellt wurden, geht der Kalender 2021 unter dem Oberthema “Hamburger Brücken” wieder zurück auf die ursprüngliche Einzelbilddarstellung.

Neben der eigenen Website hat OBSCUREWELTEN seine Präsenz durch Artikel in Fotofachmagazinen sowie auf Online-Plattformen ausgeweitet, seit 2020 auch auf Instagram.  

Die zweite Kamera ist im Gegensatz zur ersten Version mit Blenden 210 ausgestattet, um die Schärfe und Detailzeichnung zu erhöhen.

Pressestimmen

Photographie

" Camera obscura das andere licht Es ist wie ein Ausflug in eine längst vergessene Welt, in der die beteiligten Fotografen ihre kuriosen Kameras auf ein Stativ stellen, den Bildausschnitt grob anpeilen und per Hand den Weg für das Licht freigeben."

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